Im Interview: Die Netten Jungs von Nebenan

Im Rahmen unserer Vorbereitung zum kommenden “ME Against Racism” Festival in Mettmann haben wir es uns natürlich nicht nehmen lassen bereits vorab mit einigen der Künstler zu sprechen und mehr über ihren Hintergrund, ihre Entstehung und vor alle dem ihren Beweggründen zum Thema “Against Racism” zu befragen. Die Netten Jungs Von Nebenan, Punk-Rock-Band aus Ratingen, hat uns eiligst geantwortet.

 

Hallo Phillip, schön das du die Zeit gefunden hast… Für die Leser, die euch noch nicht kennen: Wie fasst ihr euch in einem Satz zusammen?
Punk-Rock mit Bläsern für den Weltfrieden und mehr Dosenbier.

Da kam die Antwort ja wie aus der Pistole geschossen. Dann habt ihr ja sicher schon häufiger auf Konzerten gespielt und wurdet schon häufiger befragt. Wie viele EP’s, Singles, Alben und Auftritte habt ihr denn schon hinter euch?
Aktuell haben wir zwei EP’s bei Spotify und müssten auf etwa 100 Auftritte kommen.

Wow, verdammt viel. Seit wann spielt ihr den schon in dieser Konstellation? 
Die Band gibt es seit 2006. Die Entstehungsgeschichte ist sehr lang, pubertär und würde den Rahmen sprengen. Aber in erster Linie wollten wir Frauen beeindrucken.

Das scheint ja gut geklappt zu haben. Hat euch dieser Beweggrund denn hierher gebracht?
Wo genau wir sind, wissen wir gar nicht so genau. Aber immerhin gibt es uns noch und wir machen mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren mehr als je zuvor. Ich glaube wir haben viele Phasen in denen sich junge Bands oft trennen gut überstanden, weil wir uns nie zu ernst genommen haben. Die Freundschaft unter uns hatte auch immer einen höheren Stellenwert, als irgendwelche Ziele. Wenn jemand mal für eine Zeit weg musste oder wenig Zeit hatte – wegen der Arbeit oder dem Studium – dann kam es uns gar nicht in den Sinn denjenigen zu ersetzen.

 

Wenn jemand mal für eine Zeit weg musste oder wenig Zeit hatte – wegen der Arbeit oder dem Studium – dann kam es uns gar nicht in den Sinn denjenigen zu ersetzen.

 

Das heißt die Freundschaft unter euch scheint ein roter Faden in der Geschichte eurer Band zu sein… Was sind denn eure Ziele?
Für dieses Jahr haben wir uns vorgenommen mehr als 10 Auftritte zu spielen. Geschafft! Vielleicht schaffen wir in 2020 ja mehr als 15? Mal gucken. Vielleicht würde eine kleine Booking-Agentur dabei helfen. Außerdem steht tatsächlich das erste Album an. Wir waren uns erst nicht sicher, ob man heute noch ein Album braucht. In Zeiten von Spotify ist es vielleicht sinnvoller mehrere EP’s in kürzeren Intervallen zu veröffentlichen. Aber wir haben einfach Bock auf ein Album. Kein Konzept Album, aber durchaus durchdacht und etwas experimentierfreudiger. Wenn man bei einer EP nur 5 oder 6 Songs aufnimmt, neigt man vielleicht zu dem Gedanken, dass jeder Song ein Hit sein muss. Ist ja auch irgendwie langweilig und limitiert bestimmt beim Schreiben.

Und was bringt ihr mit Mettmann in Verbindung?
Als Ratinger natürlich das Straßenverkehrsamt 🙂 Aber wir finden es echt geil, dass die Stadt euch bei dem Festival unterstützt und sich somit auch mutig gegen rechts positioniert. Da kann sich Ratingen gerne was von abschauen!

Dann habt ihr meine nächste Frage im Grunde schon beantwortet. Und trotzdem: Wie seht ihr das Motto des Festivals in Mettmann?
Einfach stark. Man kann sich bei dem Thema gar nicht oft genug wiederholen und sollte keine Chance auslassen den rechten Spinnern zu zeigen, dass sie in der Minderheit sind.

 

Natürlich mussten hier nicht wirklich Köpfe rollen, aber herumalbern tun die Erdmännchen Rocker einfach visuell am liebsten.

 

Also setzten Die Netten Jungs Von Nebenan ein Zeichen! Was wollt ihr zusätzlich mit dem Auftritt erreichen?
Als Opener wollen wir natürlich sofort Vollgas geben und zeigen in welche Richtung der Abend verlaufen wird. Eine Lücke zwischen Bühne und Publikum wird also nicht akzeptiert.

Und die Lücke zwischen Rechts und Links? Wie macht ihr euch gegen Rassismus im Alltag stark? Und was kann jeder einzelne gegen Rassismus tun?
Man muss nicht wie wir in einer Band mit antifaschistischen Songs spielen. Eigentlich kann jeder den Mund aufmachen. Rassismus trägt nicht immer ein Hakenkreuz auf der Stirn. Rechtes Gedankengut trifft man mittlerweile auch bei der Arbeit, im Bekanntenkreis oder sogar in der eigenen Familie. Auch wenn es bei den meisten dieser Menschen vielleicht zu spät ist, lohnt es sich immer das Gespräch zu suchen.

 

Man muss nicht wie wir in einer Band mit antifaschistischen Songs spielen. Eigentlich kann jeder den Mund aufmachen.

 

Klasse! Nun kommen wir langsam zum Abschluss. Wir organisieren ein Festival aus einer Kombination zwischen Rock und Hip Hop. Wie findet ihr diese Mischung?
Wir finden das eigentlich ganz normal, weil wir alle einen ziemlich breitgefächerten Musikgeschmack haben. Und Rock und Hip Hop ist ja spätestens seit Aerosmith und RUN DMC nichts Exotisches mehr. Aber prinzipiell ist es natürlich spannend, dass man Leute kennenlernt, mit denen man sonst vielleicht nicht in Berührung kommt und andersrum. Wir haben zum Beispiel mal auf einem Benefizkonzert für krebskranke Kinder gespielt und dort zwei Schlager Acts kennengelernt – war ein geiler Abend. Gemeinsam für eine gute Sache: Das kann noch ganz andere Barrieren im Kopf öffnen.

Vielen Dank bis hierhin… Jetzt noch meine letzte Frage auf die Hoffnung eines Geheimtipps: Wer wird eurer Meinung nach der heimliche Star des Abends?
Ganz klar: Pony Hütchen. Die Musik ist ja ganz cool, aber in erster Linie sind die Jungs super sexy. Das reicht uns.

 

Nochmal vielen Dank an dieser Stelle für das freundliche Gespräch mit “Die Netten Jungs Von Nebenan.” Wir freuen uns auf euch 🙂

Leave your comment

Please enter your name.
Please enter comment.